Liebe Mitglieder von ICOM Deutschland,

bevor wir die von ICOM Define erbetenen Schlüsselbegriffe/-konzepte zum 20. April 2021 (die Deadline wurde nach hinten verschoben) nach Paris senden, möchten wir Ihnen ein kurzes Update geben. Am 24. März 2021 hatten wir hierzu eigens eine digitale Diskussionsrunde einberufen, die sehr lebendig, umfassend informativ und vielschichtig war. Mit den Podiumsgästen von fünf Museen, zwei Mitgliedern von ICOM Define sowie einer kurzen Präsentation der Young Professionals haben wir ein innovatives Terrain betreten, das allgemein sehr positiv rezipiert wurde. Hier konnten wir die bis dato gewonnenen Erkenntnisse und Ergebnisse noch einmal fundiert, durchaus auch kontrovers diskutieren. Die gegen Ende der Veranstaltung aufkommende Kritik nehmen wir sehr ernst und möchten hier gerne ein paar Punkte noch stärker verdeutlichen.

Der Kürze der Zeit war es geschuldet, dass diese Veranstaltung letztlich zwei Aspekte abdecken sollte: Die Diskussion über den Stand der Definition selbst als auch die Diskussion der Umfrageergebnisse sowie die Abstimmung über jene Schlüsselbegriffe, die nach Paris geschickt werden sollen.

Im Vorfeld  hatten wir eine weitere Umfrage (nach der im Dezember 2019 erfolgten ersten Erhebung) per Google-Forms eingerichtet, an der 174 Mitglieder teilgenommen haben. Bei dieser Umfrage hatte man sowohl die Möglichkeit, für die Definition Schlüsselbegriffe zu nennen (diese sind von ICOM Define gefordert) als auch zu erklären, warum die gewählten Wörter wichtig sind. Hier konnte man zudem angeben, ob man damit einverstanden ist, dass die Ergebnisse der Umfrage vom Dezember 2019 als Grundlage für die Einreichung nach Paris verwendet werden. 82% der Befragten gaben an, dass sie damit einver­standen sind. 51% hatten keine zusätzlichen Vorschläge für Schlüsselwörter. Damit haben nur 49% der an der Umfrage sich beteiligten Mitglieder Ergänzungen oder Erweiterungen vorgeschlagen.

In der Veranstaltung am 24.3.2021 wurden im Diskussionspanel sowohl die Ergebnisse der 2. Umfrage als auch die aus beiden Umfragen kombinierten Ergebnisse vorgestellt und ergänzt. Es bestand dann nochmals für 25 Minuten Zeit, sich in kleinen Gruppen (den sog. Breakoutrooms) über die wichtigsten Begriffe auszutauschen und diese im Ranking abzustimmen. In einer abschließenden Live-Abstimmung sollten daraus die „Top 3“ identifiziert werden. Trotz der Erklärung des Vorhabens, scheint diese Vorgehensweise nicht in aller Klarheit verständlich geworden zu sein. Es zeigte sich dann jedoch, dass die Zeitspanne in den Breakoutrooms und für die abschließende Abstimmung offenbar als zu knapp empfunden wurde. Hier wäre vermutlich eine neue Runde über die Ergebnisse aus den Breakoutrooms sinnvoll gewesen. Wir hatten jedoch wegen der großen Zeitspanne der Veranstaltung von insgesamt 3,5 Stunden hierzu keinen Rahmen gesehen.

Wie gesagt, sicherlich hätten wir noch stringenter kommunizieren können, dass es zum Schluss um die drei wichtigsten Schlüsselbegriffe gehen sollte, die bereits aus der Summe der beiden Befragungen vorlagen: Trotz dieser Hürden gelang es an diesem Abend den teilnehmenden Mitgliedern, die Wörter hervorzuheben, die sie für am wichtigsten hielten: Ein Museum „bewahrt, vermittelt und ist öffentlich“. Hierzu votierten in den drei kurzen Abstimmungen jeweils über 60% der Teilnehmenden. 

Es mag sich für einige Teilnehmende so angefühlt haben, als wären sie vor vollendete Tatsachen gestellt worden, was aber keineswegs der Fall ist. Wir möchten daran erinnern, dass der Prozess, die Mitglieder von ICOM Deutschland in die Museumsdefinition einzubinden, spätestens nach der Generalkonferenz in Kyoto begann und konkret dann im Dezember 2019 mit einer umfassenden Mitgliederkonsultation, nämlich der ersten Umfrage weitergeführt wurde. Die Ergebnisse dieser ersten Umfrage wurden nun aktuell von 82% der Mitglieder, die an der 2. Online-Umfrage teilnahmen, unterstützt und damit bestätigt. Wir sehen darin ein deutliches Signal, dass der eingeschlagene Weg und auch die beiden Evaluationen sehr kongruent sind.

Da wir bis zum 20. April 2021 die Schlüsselwörter zu ICOM Paris senden müssen, reicht die Zeit für eine weitere Umfrage/Abstimmung nicht aus, die während der Veranstaltung kurz in Aussicht gestellt wurde – zumal die Osterfeiertage dazwischen liegen.

Aus der Summe der Ergebnisse haben wir, der Vorstand von ICOM Deutschland, uns ein Stimmungsbild der Mitglieder eingeholt und sehen uns nun im Sinne der repräsentativen Demokratie damit beauftragt, verantwortungsvoll zu entscheiden, was aktuell nach Paris gesendet wird. Dies sind in erster Linie die Schlüsselkonzepte, die in der ersten Umfrage durch die Teilnahme von insgesamt 304 Mitgliedern als die wichtigsten ermittelt werden konnten. Erfreulicherweise stimmen diese sowohl mit den Ergebnissen der 2. Umfrage in weiten Teilen überein also auch mit einem Teil der Umfrageergebnisse der Young Professionals.

 Darüber hinaus werden wir einen ergänzenden Bericht nach Paris senden, den wir als Stimmungsbild ermitteln konnten. Er besteht aus einer Zusammenfassung der 2. Umfrage sowie den Ergebnissen der Umfrage der Young Professionals. Dieser Bericht stellt die Schlüsselkonzepte in einen semantischen wie auch inhaltlich erläuternden Kontext, ergänzt durch die verschiedenen Begriffe, die für sich allein gesehen teils sehr divergierend interpretiert werden und somit auch missverständlich sein könnten. Schlüsselkonzepte und Begriffe zusammen können unserer Meinung nach deutlich den aktuellen Stand unserer gemeinsamen Diskussion spiegeln und sind zugleich ein gutes Zeichen dafür, dass unsere Mitglieder lebhaft diesen Prozess unterstützen. Auf unserer Homepage werden wir diese nach Paris gesendeten Schlüsselkonzepte und ergänzenden Materialien selbstverständlich zeitnah bekannt machen. 

Wir verstehen diese von ICOM Define vorgegebene 2. Phase damit als beendet und sehen uns gleichwohl auch an einem Anfang, weil wir davon überzeugt sind, dass die Diskussion über die Museumsdefinition keinesfalls abgeschlossen ist. Wir werden deshalb in einen neuen Prozess des Dialogs mit den Mitgliedern eintreten, um die Konsultations-Phasen von ICOM Define weiterhin zu begleiten.  

(https://icom.museum/wp-content/uploads/2020/12/ICOM-Define-Methodology.pdf)

Dafür werden wir von ICOM Deutschland gerne weitere Foren anbieten. So möchten wir in zukünftigen Veranstaltungsformaten z.B. das weitgefasste Thema „Die Zukunft von Museen/ Zukunftsperspektiven“ erörtern und im unmittelbaren Dialog mit Ihnen gemeinsam diskutieren.

Wir freuen uns darauf, weiter mit Ihnen im Austausch zu stehen und grüßen herzlich

Ihr Vorstand von ICOM Deutschland

ICOM Deutschland und ICOM Schweiz haben mit einem identischen Fragebogen Ende 2019 bzw. Anfang 2020 ihre jeweiligen Mitglieder zu deren Wertschätzung von Formulierungen der geltenden ICOM-Museumsdefinition, des Beschlussvorschlags von Kyoto und von zusätzlich vorgeschlagenen Konzept-Formulierungen befragt. In Deutschland haben 302, in der Schweiz 226 ICOM-Mitglieder teilgenommen.

Wegen der großen Ähnlichkeit der beiden Befragungsergebnisse liegt es nahe, als einen Ertrag dieser Mitgliederbefragungen die in beiden Ländern am meisten wertgeschätzten Formulierungen herauszufiltern. Für die nachstehende Liste wurde die Bewertung mit „wichtig für die ICOM-Museumsdefinition“ durch wenigstens 80 Prozent der antwortenden Mitglieder in beiden Befragungen vorgegeben.

Zur schnelleren Übersicht und Gegenüberstellung verwandter oder gegensätzlicher Formulierungen werden diese breit akzeptierten Formulierungen unter Dachbegriffen zusammengefasst, die die Mitgliederbefragung 2021 von ICOFOM verwendet.

Grundlegende Beschaffenheit (nature of the museum)

  • Informations- und Dokumentationseinrichtung
  • Kultureinrichtung
  • sammlungszentrierte Einrichtung („Grundlage sind die Sammlungen“)
  • ein Teil der Forschungsinfrastruktur
  • Instrument der Wissenschaftskommunikation
  • öffentlich zugänglich
    [Zuordnung auch bei „adressierter Personenkreis“ möglich]

Rechtlich-wirtschaftliche Grundlage (legal aspects)

  • non-profit
    [die Zustimmungsrate von 80 % wird in Deutschland nicht erreicht; dort erzielt non-profit 67,5 %; not for profit 71,8 %]

Gegenstandsbereich (museum’s content)

  • das materielle Erbe der Menschheit und deren Umwelt
    [Der Schweizer Fragebogen erfasst den Zustimmungswert dieser Formulierung nicht separat; geschätzt überwindet er aber die Vier-Fünftel-Schwelle.]
  • das materielle Natur- und Kulturerbe
  • Zeugnisse (Dokumente) der Natur und Kultur

Kernaufgaben (functions)

  • bewahren
  • erforschen
  • präsentieren (ausstellen)
  • vermitteln
  • überliefern

Adressierter Personenkreis (stakeholders)

  • im Dienste der Gesellschaft
  • im Dienst zukünftiger Generationen
  • öffentlich zugänglich
    [Zuordnung auch bei „grundlegende Beschaffenheit“ möglich]

Zweck (museum’s mission)

  • Studien
  • Erziehung / Bildung
  • Agentur des Wissens
    [kumuliertes Bewertungsergebnis (für diese Formel in Deutschland 78,1 %, in der Schweiz 76,7 %) mit den Freitexten zum Themenfeld Bildung / Erziehung / Lernen / Vermittlung]

Bei drei Begriffen wurde von der präzisen Verwendung der 80-Prozent-Hürde abgewichen; Anmerkungen in eckigen Klammern erläutern den betreffenden Sachverhalt. Ein Begriff wurde im Schweizer Fragebogen nur in Kombination mit weiteren Wörtern beurteilt, sodass die Bewertung eingeschätzt werden musste. Unter einem der eingefügten Dachbegriffe schlägt nur ein Begriff ein, der zwar in der Schweiz, aber nicht in Deutschland die Vier-Fünftel-Schwelle überwindet; er wurde mit aufgelistet. Da die erbetenen Freitexte der Teilnehmenden durch ihre Formulierungsvarianz die Vier-Fünftel-Schwelle weit verfehlen, wurde das am häufigsten bediente Begriffsfeld mit einer der vorgeschlagenen Formulierungen zusammengefasst eingefügt.

Den vollständigen Auswertungsbericht von ICOM Deutschland finden Sie hier.

Den vollständigen Auswertungsbericht von ICOM Schweiz finden Sie hier (PDF).

Das zur Vorbereitung einer Beschlussvorlage für die Überarbeitung der ICOM-Museumsdefinition eingesetzte „Standing Committee“ in ICOM International, MDPP, wurde im Herbst um mehrere Mitglieder erweitert und hat nach dem Rücktritt der bisherigen Präsidentin nun zwei Co-Vorsitzende bekommen, Lauran Bonilla-Merchav (Puerto Rico) und Bruno Brulon Soares (Brasilien). Das Komitee hat sich zu ICOM Define umbenannt und in einem Webinar am 10. Dezember 2020 sein neues Konzept für das weitere Vorgehen vorgestellt. Diese Veranstaltung konnten Interessierte mit einem vorab an alle ICOM-Mitglieder versendeten Link online mitverfolgen.

ICOM Define legt großen Wert auf Transparenz: Alle zum Entwicklungsprozess gehörenden Dokumente werden den ICOM-Mitgliedern in einer speziellen Sektion des Mitgliederbereichs der ICOM-International-Internetseite zugänglich gemacht. Die Dokumente aus dem bereits zurückgelegten Prozessverlauf liegen dort schon bereit. Die Prezi-Präsentation für das Webinar können alle Interessierten frei anschauen: https://icom.museum/wp-content/uploads/2020/12/ICOM-Define-Methodology.pdf

Das neue Verfahren besteht aus elf Schritten. Eine Sammlung von Definitionsvorschlägen aus den Komitees oder individuell von den Mitgliedern, wie sie 2018 bereits von ICOM International durchgeführt wurde, wird nicht noch einmal stattfinden. Mehrmals werden die Nationalen und Internationalen Komitees direkt eingebunden:

  1. Als Erstes hat ICOM Define einen Bericht aller Komitees darüber erbeten, was diese hinsichtlich der Museumsdefinition seit der Außerordentlichen Mitgliederversammlung in Kyoto unternommen haben. Der Bericht von ICOM Deutschland (PDF) wurde fristgerecht zum 10. Januar 2021 eingereicht.

  2. Bis April sollen sich die Komitees mit ihren Mitgliedern über „Schlüsselbegriffe“ und „Schlüsselkonzepte“ der Museumsdefinition austauschen und dazu bis zu zwanzig Vorschläge einsenden. Diese Aufgabe wurde mit der detaillierten Bewertung vieler Begriffe und Konzepte grundsätzlich bereits in der Mitgliederbefragung von ICOM Deutschland Ende 2019 bearbeitet. Über das ergänzende Vorgehen folgen in Kürze genauere Informationen.

  3. Die analysierten und aufbereiteten Ergebnisse aller Einsendungen zu Schlüsselbegriffen und Schlüsselkonzepten sollen im Juli 2021 zur Verfügung stehen. Alle Komitees sind eingeladen, mit ihren Mitgliedern bis September 2021 an diesen Ergebnislisten zu arbeiten und Kommentare zurückzugeben.

  4. Auf dieser Grundlage will ICOM Define im Februar 2022 etwa fünf Vorschläge für die Neuformulierung der ICOM-Museumsdefinition publizieren; alle Komitees haben bis April 2022 Gelegenheit, ihre Mitglieder zu konsultieren und mitzuteilen, welchen der fünf Vorschläge sie bevorzugen.

Ende August 2022 soll dann eine Außerordentliche Generalversammlung im Rahmen der nächsten ICOM-Generalkonferenz in Prag über den auf diesem Weg gewonnenen Beschlussvorschlag abschließend befinden.

Im Internet findet sich aktuell ein offener Brief unter dem Titel „ICOM Change“ zur Museumsdefinition.

Dieser anonyme Offene Brief steht in keiner Verbindung zu ICOM Deutschland und ICOM International, auch wenn der Name die Wortfolge übernimmt, die für Internationale Komitees von ICOM typisch ist.  

Das Prozedere des für die Museumsdefinition zuständigen Komitees ICOM Define ist öffentlich zugänglich; die Zuarbeiten aller Nationalkomitees können im Mitgliederbereich der Webseite von ICOM International eingesehen werden, darunter auch die Berichte von ICOM Deutschland.

ICOM Deutschland steht aktiv für den Dialog mit seinen Mitgliedern und der Fachöffentlichkeit. ICOM Deutschland hat sich bemüht, mit "ICOM Change" einen Dialog zu finden und deswegen gebeten, transparent zu machen, wer sich hinter diesem Label verbirgt. Wir erhielten darauf am 21.01.2021 eine E-Mail ohne namentlichen Absender, die einräumt: "Die Interaktion und Ansprache einer nicht identifizierbaren Gruppe ist ungewohnt und womöglich sogar verwirrend." Trotzdem bleibt diese Gruppe anonym und nimmt zugleich für sich in Anspruch, die Gesellschaft abzubilden: "ICOM CHANGE ist eine Initiative, die für sich den Anspruch erhebt, die Breite der Gesellschaft und des musealen Diskurses abzubilden. Wir treten daher ausschließlich als Gruppe und anonym auf, um der notwendigerweise gesamtgesellschaftlichen Diskussion um eine neue Museumsdefinition auch in unserer Struktur zu entsprechen."

Der Vorstand und die Geschäftsstelle von ICOM Deutschland sind die von den Mitgliedern demokratisch gewählten, namentlich bekannten Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedschaft und deren hauptberufliche Geschäftsstelle. Ob die "Gesamtgesellschaft" eine Diskussion über die Museumsdefinition führen möchte, können wir nicht einschätzen. Die ICOM-Museumsdefinition ist Bestandteil der Statuten von ICOM und insofern eine originäre Aufgabe der Selbstorganisation und Selbstbeschreibung unseres Verbandes; ICOM Deutschland nimmt als eines der Nationalen ICOM-Komitees daran proaktiv und konstruktiv teil. Dass diese verbandsinterne Arbeit Auswirkungen auf andere Museumsorganisationen, auf Museumszertifizierungen und auf das Ausreichen staatlicher Zuwendungen an Museen hat, ist uns sehr wohl bewusst.

Warum eine Initiative, die nach eigener Angabe aus Museumsfachleuten besteht, gemeinsam mit ICOM Deutschland eine Diskussion führen, dabei aber nicht erkannt werden möchte, erschließt sich nicht. Über unsere nächsten Schritte hinsichtlich der ICOM-Museumsdefinition informieren wir alle Mitglieder zeitnah. Wir beteiligen uns selbstverständlich an allen von ICOM Define vorgegebenen Prozessschritten und suchen zugleich den Gedankenaustausch mit anderen Nationalen und Internationalen Komitees von ICOM.

Angemerkt sei, dass viele Museumsfachleute, die freiberuflich für oder in Museen arbeiten, durch die COVID-Pandemie in ihrer Existenz bedroht sind; viele kleine Museen stehen auf unbestimmte Zeit vor unlösbaren Schwierigkeiten, weil überproportional viele Menschen, die Museen ihre Freizeit spenden, zu Risikogruppen rechnen und deswegen ihre Mitarbeit aussetzen mussten. Diese Gefahren für die Überlieferung und Vermittlung unseres Erbes der Öffentlichkeit bewusster zu machen, erscheint ICOM Deutschland aktuell besonders drängend. Die Bewältigung der Pandemie und die Existenzsicherung der Museen verdient unser aller höchste Aufmerksamkeit und vereinte Anstrengungen.

Der ICOM Weltverband liefert die wohl bekannteste Definition des Begriffs Museum. Diese ICOM-Museumsdefinition dient in erster Linie der internen Vergewisserung, für welches Arbeitsgebiet ICOM steht und welche Aufgaben Personen und Institutionen erfüllen müssen, wenn sie ICOM-Mitglieder sind oder werden möchten.

Die weltweite Verbreitung von ICOM hat dazu geführt, dass diese Definition sehr viel breiter angenommen wird, von Behörden und Förderstiftungen, die Zuwendungen an Museen ausreichen, bis hin zu Lexika in mehreren Sprachen, die ihren Eintrag an diese Definition anlehnen. Den vollständigen Text finden Sie in Artikel 3 Abschnitt 1 der Statuten von ICOM; der juristisch bindende französische Text in der aktuellen Fassung von 2007 lautet:

« Un musée est une institution permanente sans but lucratif, au service de la société et de son développement, ouverte au public, qui acquiert, conserve, étudie, expose et transmet le patrimoine matériel et immatériel de l’humanité et de son environnement à des fins d'études, d'éducation et de délectation.»

Eine von den drei deutschsprachigen Nationalkomitees autorisierte deutsche Übersetzung gibt es zurzeit nicht. Sinngemäß lautet die Definition aber auf Deutsch:

„Ein Museum ist eine dauerhafte Einrichtung, die keinen Gewinn erzielen will, öffentlich zugänglich ist und im Dienst der Gesellschaft und deren Entwicklung steht. Sie erwirbt, bewahrt, beforscht, präsentiert und vermittelt das materielle und immaterielle Erbe der Menschheit und deren Umwelt zum Zweck von Studien, der Bildung und des Genusses.“

Der Weltverband diskutiert die Museumsdefinition kontinuierlich und passt sie den aktuellen Bedürfnissen an. Alle Nationalkomitees arbeiten diesem Prozess zu; deswegen hatte ICOM Deutschland den aktuellen Gebrauch der ICOM-Museumsdefinition als Thema des jüngsten „Bodensee-Symposiums“ vorgeschlagen, der alle drei Jahre stattfindenden gemeinsamen Tagung von ICOM Österreich, ICOM Schweiz und ICOM Deutschland.

„Museum: ausreichend. Die ‚untere Grenze‘ der Museumsdefinition“ fand im Juni 2018 in Friedrichshafen statt. Der Tagungsband hierzu wird im zweiten Halbjahr 2020 erscheinen.

Bei der Generalversammlung 2019 von ICOM in Kyoto stand die Neufassung der ICOM-Definition von „Museum“ auf der Tagesordnung. Alle Mitglieder von ICOM waren eingeladen, Formulierungsvorschläge online einzureichen; es wurden auch Vorschläge aus Deutschland gemacht. Das Beratungsergebnis des beauftragten ICOM-Komitees hat das Executive Board von ICOM passiert und steht nun online zur Verfügung.

Der Vorstand von ICOM Deutschland hat darauf umgehend mit einem Memorandum reagiert, weil nach unserem Eindruck der Beschlussvorschlag zwar zahlreiche Formulierungen im Sinne eines Mission Statements für das 21. Jahrhundert enthält, aber grundlegende, seit Jahrzehnten unveränderte definitorische Elemente gestrichen wurden. Dazu gehört zum Beispiel, dass Museen auf Dauer angelegte Institutionen sein müssen.

Deswegen ist ICOM Deutschland auch einem von ICOM Europe initiierten Antrag beigetreten, den Beschluss über eine Änderung der Museumsdefinition um wenigstens ein Jahr aufzuschieben.

Die ICOM Generalversammlung hat am 7. September 2019 in Kyoto auf einer außerordentlichen Sitzung beschlossen die Änderung der Museumsdefinition bis zur nächstmöglichen Generalkonferenz aufzuschieben, um die Konsultation aller Beteiligten zu ermöglichen. ICOM Deutschland beteiligt sich an diesem Prozess weiterhin aktiv.


Während der Online-Umfrage, die ICOM Deutschland vom 13. bis zum 31. Dezember 2019 unter seinen Mitgliedern durchgeführt hat, sind insgesamt 302 gültige Fragebögen eingegangen. Dies entspricht einer Beteiligung von 4,6 Prozent der Verbandsmitglieder, jedes Bundesland ist mit Teilnehmern vertreten. Die Ergebnisse zeigen, dass die Positionen der Umfrageteilnehmer zur geltenden ICOM-Museumsdefinition in sich schlüssig sind und eine breite Zustimmung aufweisen. Im Überblick betrachten 80,8 Prozent diesen Text als gut geeignete bzw. nur punktuell verbesserungswürdige Museumsdefinition. 1,3 Prozent stufen ihn als ungeeignet ein.

Das Antwortverhalten zum Kyoto-Beschlussvorschlag unterscheidet sich davon grundlegend. Im Überblick betrachten ihn 47,4 Prozent der Umfrageteilnehmer als gut geeignete oder als nur punktuell verbesserungsbedürftige Museumsdefinition. Hingegen stufen ihn 13,9 Prozent als ungeeignet ein.

Diese Mitgliederbefragung steht im Zusammenhang mit der Initiative des Weltverbandes ICOM, die Museumsdefinition auf ihre Eignung für das 21. Jahrhundert zu befragen. Die Beschlussvorlage einer vollständig neu formulierten Museumsdefinition löste lebhafte Diskussionen aus. Die für den 7. September 2019 nach Kyoto einberufene Außerordentliche Generalversammlung entschied, den Beschluss aufzuschieben, um eine ausführlichere Meinungsbildung in den ICOM-Komitees zu ermöglichen. Die Umfrageergebnisse von ICOM Deutschland dienen auch als Zuarbeit an das Internationale Komitee für Museologie (ICOFOM), das einheitliche Angaben zum Thema von allen Nationalkomitees sammelt.

Ergebnisse der Mitgliederbefragung (dt., Pdf)

English summary of the German member survey (Pdf)


Aktivitäten ICOM Deutschlands im Zusammenhang mit der Überarbeitung der Museumsdefinition

Der Internationale Museumsrat (ICOM) formuliert in Artikel 3 seiner Statuten die Museumsdefinition. In unregelmäßigen Abständen wird diese den allgemeinen gesellschaftlichen und institutionellen Veränderungen im Museumsbereich angepasst, letztmalig im Jahre 2007. In vielen Ländern wird die ICOM-Museumsdefinition als internationaler Standard gewertet und als Maßstab für die Ausrichtung der nationalen Museumspolitik und die Gewährung von Subventionen verwendet.

Im Jahre 2016 hat ICOM beschlossen, die Museumsdefinition auf ihre Tragfähigkeit für das 21. Jahrhundert zu befragen. Die Anfang August 2019 präsentierte Beschlussvorlage einer vollständig neu formulierten Museumsdefinition löste lebhafte, auch kontroverse Diskussionen aus. Die für September 2019 nach Kyoto einberufene außerordentliche Generalversammlung entschied, den Beschluss aufzuschieben, um eine ausführlichere Meinungsbildung in den nationalen und internationalen Komitees von ICOM zu ermöglichen. ICOM Deutschland beteiligt sich an diesem Meinungsbildungsprozess Januar 2021, ICOM Deutschland

8. Januar 2021, ICOM Deutschland

Statusbericht von ICOM Deutschland zur Museumsdefinition an ICOM Define: Standing Committee for the Museum Definition
Bericht (PDF)

17. Dezember 2020, ICOM International

Information über den neuen, geplanten Konsulationsprozess zur Museumsdefinition durch ICOM Define: Standing Committee for the Museum Definition.

Juni 2020, ICOM Deutschland

Publikation des Tagungsbandes "Museum: ausreichend. Die 'untere Grenze' des Museums" auf arthistoricum.net als Zusammenfassung der Beiträge des gleichnamigen Internationalen Bodensee-Symposiums 2018 (siehe 21. bis 23. Juni 2018, ICOM Deutschland, Schweiz, Österreich).

18. Juni 2020, ICOM Deutschland
Digitales Mitgliederforum zur Museumsdefinition
Zusammenfassung (PDF)

20. März 2020, Hamburg, ICOM Deutschland - Aufrund der gesundheitlichen Situation leider verschoben
Mitgliederforum: „Die ICOM-Museumsdefinition des 21. Jahrhunderts“

10. März 2020, Paris
Committees Day: Auf Einladung von ICOM Frankreich an alle internationalen und nationalen ICOM-Komitees soll der Erfahrungs- und Meinungsaustausch zum Thema Vision und Museumsdefinition von ICOM gebündelt werden.
Proceedings of the ICOM Committees' day

10. Februar 2020, ICOM Deutschland 
Bekanntgabe der Ergebnisse der Mitgliederbefragung (dt. und engl.) auf der Internetseite (ab 19.2. zusätzlich bei IDW-Online).

30. Januar 2020, Jüdisches Museum Berlin
Markus Walz als Vertreter von ICOM Deutschland nimmt an der Podiumsdiskussion „Quo vadis Museum?“ im Jüdischen Museum Berlin teil. Mitdiskutantin ist Léontine Meijer-van Mensch, Mitglied des Executive Board von ICOM; Moderation durch Studierende der HTW Berlin.

29. Januar 2020, ICOM Deutschland
Schriftliche Zuarbeit von ICOM Deutschland zur Umfrage von ICOFOM unter allen ICOM-Komitees bezüglich der Museumsdefinition und des Kyoto-Beschlussvorschlags

13. Dezember 2019, ICOM Deutschland
Rundschreiben als E-Mail an alle Verbandsmitglieder mit Einladung zur Teilnahme an der seit dem 12.12. online stehenden Mitglieder-Umfrage zur ICOM-Museumsdefinition. Einsendeschluss ist der 31.12.2019; mit Erinnerung an die Teilnahme im ICOM-Deutschland-Newsletter vom 21.12.2019.

9. Dezember 2019, ICOM (Weltverband)
Das ICOM Executive Board entscheidet, ein neues MDPP-Komitee zu ernennen (MDPP 2), in dem mehrere neue Vertreter aus der Mitgliederschaft vertreten sein sollen. Das MDPP 2 soll von 2020 bis 2022 die Arbeit des MDPP nun als transparenten und konsultativen Prozess in Zusammenarbeit mit den nationalen und internationalen ICOM-Komitees fortsetzen. Siehe Museum Definition Brief von ICOM

2. Dezember 2019, ICOM Deutschland
Der Vorstand schlägt der ICOM-Präsidentin und dem ICOM Executive Board vor, dass ein neues, von MDPP unabhängiges Gremium mit der Erarbeitung eines neuen Vorschlags zur Museumsdefinition beauftragt werden sollte.

19. November 2019, ICOM Deutschland
Rundschreiben an alle Verbandsmitglieder: Zusammenfassung der Ereignisse bezüglich der ICOM-Museumsdefinition, Information zum Stand der Diskussion in der Mitgliederversammlung am 14. November in München; Information über die geplante Online-Umfrage und das geplante Mitgliederforum im März 2020

14. November 2019, München, ICOM Deutschland
Mitgliederversammlung im Rahmen der Jahrestagung von ICOM Deutschland: Information zum Sachstand der Museumsdefinition, mit Diskussionsrunde als Reaktion auf eine Petition. Vorschläge seitens der Mitglieder: Durchführung einer Online-Umfrage unter Mitgliedern auch als Zuarbeit zur ICOFOM-Umfrage und Abhalten eines Mitgliederforums im Rahmen der deutsch-dänischen Tagung, 18. bis 20. März 2020.

11. November 2019, ICOM Deutschland
Die Präsidentin von ICOM Deutschland, Beate Reifenscheid, veröffentlicht ein Statement auf der Plattform Wissenschaftskommunikation.de: „Gegen Unverbindlichkeit und Politisierung: Zur Neudefinition der Museen“

7. November 2019, Alina Gromova
Veröffentlichung eines „Offenen Briefs an die Vertreter und Vertreterinnen von ICOM Deutschland“ auf der Internetseite Open Petition; die Unterzeichnerin, Alina Gromova, Berlin, kritisiert die Haltung des Vorstandes von ICOM Deutschland in der Thematik Museumsdefinition und fordert mehr Dialogbereitschaft ein.

8. Oktober 2019, ICOM Deutschland
Internetseite (Blog): Rückblick auf die ICOM-Generalkonferenz mit Information zum Abstimmungsverhalten in der außerordentlichen Generalversammlung am 7.9.2019

30. September 2019, ICOM Deutschland
Im Newsletter 5-2019 berichtet Beate Reifenscheid im Intro über die überwältigende Zustimmung zum Antrag, die Abstimmung über den Beschlussvorschlag zur Neufassung der Museumsdefinition aufzuschieben.

7. September 2019, ICOM (Weltverband)
Auf der außerordentlichen Generalversammlung im Rahmen der Generalkonferenz in Kyoto bringt ICOM Europa einen – von ICOM Deutschland mitgezeichneten – Antrag ein, die Abstimmung über den Beschlussvorschlag zur Neufassung der Museumsdefinition aufzuschieben.

Dieser Antrag setzt sich mit rund 70 Prozent Zustimmung durch. Zuvor hatte es mehrere, sehr lebhafte Diskussionsforen innerhalb der Generalkonferenz gegeben (siehe Webseite). Der Vorstand von ICOM Deutschland informiert im Anschluss alle Verbandsmitglieder in einem Rundschreiben über das Ergebnis sowie über die Absicht, die Museumsdefinition im Rahmen der Mitgliederversammlung 2019 zu diskutieren.

5. August 2019, ICOM Deutschland
Übergabe eines Memorandums an die Präsidentin des Weltverbandes: Im Beschlussvorschlag zur Neufassung der Museumsdefinition fehlen die Permanenz der Institution und die Kernaufgabe Forschung. Der Vorstand informiert alle Mitglieder von ICOM Deutschland in einem Rundschreiben über das Memorandum und die darin geäußerten Bedenken.

1. April 2019, ICOM-MDPP
Das mit der Ausarbeitung eines Beschlussvorschlags zur Neufassung der Museumsdefinition beauftragte Komitee MDPP lädt alle Mitglieder weltweit ein, ihre Definitionsvorschläge auf einer Online-Plattform einzureichen; insgesamt treffen 269 (darunter auch ICOM Deutschland) Formulierungen ein.

21. bis 23. Juni 2018, ICOM Deutschland, Schweiz, Österreich
Internationales Bodensee-Symposium in Friedrichshafen „Museum: ausreichend. Die ‚untere Grenze‘ des Museums“ als Beitrag der deutschsprachigen ICOM-Nationalkomitees zur Diskussion über die Museumsdefinition; unter anderen referiert auch die Präsidentin des ICOM-Komitees MDPP, Jette Sandahl.

2016, Mailand, ICOM (Weltverband)
Die außerordentliche Generalversammlung beschließt, dass die bei der Überarbeitung der Statuten von ICOM ausgesparte ICOM-Museumsdefinition auf ihre Tauglichkeit für das 21. Jahrhundert überprüft werden soll; zur Ausarbeitung wird im Anschluss ein separates Komitee, Committee on Museum Definition, Prospects and Potentials (MDPP, 2017-2019), eingerichtet. Grundlage: Protokoll der 133. Sitzung des Executive Board, 1. und 2. Juli 2016, Mailand (TOP 12) und Protokoll der 134. Sitzung des Executive Board, 10. bis 11. Dezember 2016, Paris (TOP 14)

 

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